Als wir morgens aufstanden, hatte sich das Wetter deutlich gebessert. Der Himmel war nur noch vereinzelt von Wolken bedeckt, und es wehte ein leichtes Lüftchen. Wir gingen zum Frühstück, wo wir schon vom Hotelier empfangen wurden. Er geleitete  uns zu einem Tisch und fragte, was wir trinken möchten. Peter nahm – wie immer – einen Cafe con leche und ich einen Colacao. Das Frühstück wurde frisch zubereitet. Jeder bekam zwei große Scheiben gegrilltes Brot und dazu verschiedene Marmeladen.

Nach diesem vorzüglichen Frühstück packten wir unsere Sachen und holten unsere Räder aus der Tiefgarage. Der freundliche Hotelier verabschiedete sich noch von uns und wir verließen Sahagún in Richtung León. Wir fuhren durch das Benediktstor, dass zur verfallenen Klosteranlage gehört, die von Muslimen, den Mudéjares, im Spanien des 14. Jahrhunderts erbaut wurde. 

Kurz hinter Sahagún trafen wir dann auch noch mal auf unseren japanischen Freund. Wir wünschten uns gegenseitig einen “Buen Camino”. Der Jakobsweg führte später von der Nationalstraße weg über eine alte stillgelegte Straße. Es war sehr angenehm zu fahren. Hinter einem Dorf stand in einem Feldweg ein Bus. Wie sich herausstellte war es der Bus der Franzosen. Der Fahrer winkte uns zu. Kurz darauf wurden wir auch vom Begleit-Pkw überholt, der uns zuhupte. Von hinten schlossen dann auch langsam die ersten Rennräder auf. Wir grüßten uns gegenseitig. Einem Franzosen, der vorne wegfuhr, blutete die Nase, aber ich dachte mir nichts weiter dabei.

Einige hundert Meter weiter hielt die Gruppe dann plötzlich an. Der Fahrer mit der Prinz-Eisenherz-Frisur hatte erst nicht bemerkt, dass er Nasenbluten hatte, doch nun lief ihm die Suppe nur so aus der Nase heraus. Wir hielten auch an. Ich gab ihm eine Packung Taschentücher. Wir unterhielten uns noch mit ein paar der anderen Franzosen, bevor wir weiterfuhren. Einige Zeit später überholten sie uns aber auch schon wieder, und der Fahrer mit Nasenbluten bedankte sich nochmals bei mir für die Taschentücher. Irgendwo an einer Kreuzung bogen sie dann ab und fuhren eine andere Strecke weiter.

In Mansilla de las Mulas machten wir eine Pause, bevor es dann wieder auf der Nationalstraße weiterging. Zwischendurch entdeckten wir übrigens den ersten Pilger, der mit einem Esel unterwegs war. Das Tier hatte aber anscheinend mehr Lust zu pausieren, als zu gehen. Auf der N601 wurden wir dann zum letzten Mal von den Franzosen überholt, die uns mal wieder überschwänglich begrüßten.

Als wir in Leon ankommen, suchen wir mal wieder zuerst die Tourismus-Information auf. Wir können aber keine Wegweiser finden, so dass ich auf einem gut besuchten Markplatz einen Polizisten fragte. Die Info war direkt in einem Gebäude gegenüber der großen Kathedrale. Ich ging zuerst hinein um mir den Stempel abzuholen. Nachdem ich wieder herauskam ging Peter hinein und ich passte auf die Räder auf. Ein älterer Mann gesellte sich zu mir und sprach auf Spanisch auf mich ein. Er versuchte mir verständlich zu machen, dass das große Fenster an der Front der Kathedrale sehr beeindruckend sei, vor allem vom Inneren der Kathedrale aus gesehen. Peter kam nun auch wieder aus der Tourismus-Info und der Herr erklärte uns auch noch, dass die Kathedrale im Dunkeln noch beeindruckender sei. Er untermauerte dies immer wieder mit dem Wort “Illuminacion”, was Peter ihm mit “fantastico” erwiderte, worauf der Herr überschwänglich meinte: “Si, fanstastico”!

Illumiacon
Illumiacon

Wir suchten uns unweit der Kathedrale eine kleine Pension. Unsere Räder konnten wir im Keller abstellen. Dort gab es sogar noch eine Besonderheit. Der Boden in einem kleinen Vorraum war aus dickem Glas und darunter befanden sich Teile eines alten Gemäuers. Unser Zimmer hatte eine große Terrasse mit einem Tisch und vier Stühlen, wo wir direkt unsere Wäsche aufgehangen haben.

Unsere Terrasse
Unsere Terrasse

Am Nachmittag besichtigten wir dann die Kathedrale und wurden Zeugen einer Hochzeit. Das Fenster war im Inneren wirklich sehr beeindruckend. Vor der Kathedrale setzten wir uns auf eine Bank. Die Hochzeitsgesellschaft verließ mittlerweile auch so langsam die Kirche und aus einer Seitengasse kam noch eine Mandolinenband dazu. Als das Hochzeitspaar herauskam, wurde es eine richtige Party. Die Band spielte tolle, traditionelle Lieder und sang dazu.

Hochzeit
Hochzeit

Danach gingen wir zum Hotel zurück und ruhten uns auf der Terrasse aus.

Am Abend suchten wir uns ein einfaches Restaurant und aßen mal wieder ein obligatorisches Menu del dia, ein Tagesmenü. Es bestand aus Linsensuppe, Hähnchenfilet mit, oh Wunder, labberigen Pommes und Flan, einem spanischem Karamellpudding. Wir schauten uns auch nochmals die nun beleuchtete Kathedrale an und stellten zufrieden fest: “Illumination, fantastico!”

Kathedrale Santa María de Regla von León bei Nacht
Kathedrale Santa María de Regla von León bei Nacht
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Etappen-Daten:

  • Tagesstrecke: 59,27 km
  • Fahrzeit: 3:32:46
  • Schnitt: 16,70 km/h
  • Max.: 47,00 km/h
  • Höhenmeter: 285
  • Ø-Steigung: 1%
  • Max. Steigung: 5%

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