Der Parkplatz vor dem Hotel steht früh morgens voller LKW. An der nah gelegenen Tankstelle frühstücken wir auch heute wieder Sandwiches. Es ist noch dunkel, kalt und windig.

Wir folgen der Nationalstraße 120 immer an der Autobahn entlang. Im Laufe des Morgens wird es immer windiger, und wir müssen mächtig in die Pedale treten, um überhaupt voran zu kommen. Als wir das Ortsschild von Carrión de los Condes passieren fällt Peter auf, dass das ein Zeichen ist. Wir sollen weitermachen! Denn in der Aussprache hört sich Carrión an wie das Englische “Carry on”, also weitermachen. Das Wetter entwickelt sich aber zu einem mächtigen Sturm, der uns entgegen bläst.

Lastkraftwagen, die einen überholen, werden zur Gefahr. Erst wird man an sie herangezogen, dann wird man vom Wind fast in den Straßengraben gedrückt. Selbst bergab müssen wir kräftig in die Pedale treten, um nicht stehen zu bleiben.

In einem kleinen Dorf beschließen wir nach einem Bus zu fragen, der in Richtung Leon fährt. Die Etappe ist gelaufen, wir sind am Ende unserer Kräfte! Wir gehen zum Dorfplatz, da muss es ja irgendwo eine Haltestelle geben, und erblicken eine Bar. Hinter einer Mauer hält gerade ein Bus und eine ältere Dame steigt aus. Die Dame ist Französin, die zu einer Rad-Reisegruppe aus Le Puy gehört. Der Bus hat ein französisches Kennzeichen. Sie erklärt uns, dass sie heute auch nicht mit der Gruppe fahren konnte, da der Wind zu heftig ist.

Verfallene Gebäude
Verfallene Gebäude

In der Bar legen wir eine Pause ein und beratschlagen,  wie wir nun weitermachen wollen. Ich bin definitiv dafür nicht mehr weiterzufahren und mache Peter den Vorschlag, den Busfahrer des Französischen Busses zu fragen, ob er uns mitnehmen kann. Peter scheint von der Idee erst nicht begeistert zu sein, sagt der Idee dann später aber doch zu. Im Fernseher der Bar läuft mittlerweile “Alarm für Cobra 11” auf Spanisch. Wir finden es verwunderlich, dass es diese Serie auch in Spanien gibt und machen uns darüber lustig.

Einige Minuten später treffen dann auch die restlichen Franzosen der Reisegruppe in der Bar ein. Sie sind alle auf Rennrädern unterwegs. In der Bar bekommen sie ein Mittagessen serviert. Ich gehe nun auf den Busfahrer zu und frage, ob er uns mitnehmen würde.

Er fragte mich, wo wir denn hinwollen. “Leon”, antwortete ich und er erwiderte, dass sie nur bis Sahagún fahren würden und dort übernachten, aber es sei kein Problem uns bis dahin mitzunehmen. Die Franzosen waren wirklich sehr gut organisiert. Sie hatten nicht nur den Bus dabei, sondern auch noch einen Transporter für Fahrräder und Material, sowie einen weiteren PKW als Begleitfahrzeug.

Verfallenes Gebäude
Verfallenes Gebäude

Nach gut einer halben Stunde packen wir unsere Räder und das Gepäck in den Gepäckraum des Reisebusses. Der Fahrer hilft uns beim Einladen. Er spricht sogar noch ein paar Worte Deutsch, die er einmal in der Schule gelernt hat. Neben der Dame fahren nun auch noch zwei weitere Franzosen mit, so dass wir zu fünft sind. Bis Sahagún sind es laut Fahrer noch ca. 50 km. Er legt eine schöne CD in den CD-Spieler des Busses ein. Es ist ein Mischmasch aus älteren Songs, und moderner Popmusik. Peter döst ein wenig im Bus. Ich schaue mir die Landschaft an.

In Sahagún angekommen, hält der Bus gegenüber der Kirche an einem Hotel. Wir laden unsere Räder aus und fragen, ob noch ein Zimmer für uns frei ist, aber es ist uns ein wenig zu teuer. So suchen wir erstmal weiter. In einer Gasse, direkt am Jakobsweg, werden wir fündig. Das Hostal Alfonso VI hat ein günstiges Zimmer für uns. Der freundliche Hotelier schließt uns auch direkt seine Tiefgarage auf, wo wir unsere Räder unterbringen können. Das Zimmer ist auch wieder super.

Später dürfen wir sogar den PC im Frühstücksraum kostenlos benutzen, um ein wenig im Internet zu surfen und mal wieder einen Blogeintrag zu schreiben. Als wir zur Stadtbesichtigung aufbrechen wollen, gibt uns die Ehefrau des Hoteliers einen kleinen Stadtplan mit und zeichnet uns die Sehenswürdigkeiten der Stadt ein.

Kirche
Kirche

Am Abend gehen wir in das Hotel der Franzosen um das Pilgermenü zu uns zu nehmen, das dort angeboten wird. An der Theke sitzt auch schon unser Busfahrer mit einigen Anderen der Reisegruppe. Wir unterhalten uns mit ihnen. Einige Minuten später werden wir dann auch schon in den Speiseraum gelotst. Uns wird ein Vierer-Tisch zugeteilt, es kommt auch noch ein Fußpilger dazu. Er kommt aus Kyoto, Japan und ist etwas jünger als wir. Er sitzt sehr steif und gerade am Tisch und blickt, wenn man nicht gerade mit ihm spricht, stur geradeaus.

Als Vorspeise gibt es eine kastilische Suppe. Danach Fisch mit Pommes, natürlich mal wieder total labberig und als Dessert Schoko-Kuchen. Das Personal war sehr auf zack. Man hatte den letzten Bissen noch nicht richtig runtergeschluckt, da wurde einem schon der nächste Gang serviert. Peter und ich kamen uns vor, als säßen wir am Fließband. Es war auf jedenfall das schnellste Essen, das wir jemals hatten. Selbst unserem steifen japanischem Freund entwich nun ein kleines Lächeln, nach unserer Feststellung.

Nach dem “Fastfood” beschlossen wir noch in eine Kneipe zu gehen. Auch dort beobachteten wir, wie schon in einigen Bars zuvor, dass es in Spanien üblich ist, seinen Müll einfach auf den Boden zu werfen. Überall lagen Nussschalen und Servietten herum. Als ich uns an der Theke eine zweite Runde holte, wurde Peter von einem Betrunkenen angequatscht. Er bat Peter um Feuer. Aber Peter hatte natürlich kein Feuerzeug dabei, worauf der Betrunkene die Kneipe verließ.

Später, ich war nun auch am Tisch, kam er wieder zurück und fragte nochmals. Wir versuchten es diesmal zu zweit, aber er verstand es nicht. Die junge Wirtin war auch ein wenig von ihm genervt und sprach gar nicht mehr mit ihm. Es war sowieso ein komischer Typ. Er hatte Mitten im Sommer eine dicke Winterjacke an. Auch wenn es heute stürmte, kalt war es tagsüber aber nicht. Peter meinte, dass der Typ draußen vor der Kneipe bestimmt auf uns wartet und uns nicht von der Seite weichen wird. Zum Glück war dies nicht der Fall. Wir konnten in aller Ruhe zum Hostal gehen und eine Runde schlafen. Im Zimmer schauten wir noch ein wenig fern und erfuhren, dass der Sturm wohl der Schlimmste in Spanien seit mehreren Jahren war. In Madrid wurde sogar durch heftige Regenfälle die U-Bahn unterspült.

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Etappen-Daten:

  • Tagesstrecke: 42,36 km + ca. 50 km Busfahrt
  • Fahrzeit: 3:18:48
  • Schnitt: 12,70 km/h
  • Max.: 32,00 km/h
  • Höhenmeter: 218
  • Ø-Steigung: 2%
  • Max. Steigung: 7%

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