Obwohl unser Hostal an einer viel befahrenen Straße liegt, konnte ich gut schlafen. Frühstück gab es dort allerdings nicht, so dass wir nach ein paar Minuten des warmfahrens an einer Tankstelle halt machen. Es gibt Sandwichs aus der Plastikpackung. Kein Hochgenuss, aber für einen kleinen Snack ganz O.K.. Zusätzlich essen wir auch noch einen Müsliriegel. Richtig Lust hab ich an diesem Morgen nicht. Es ist kalt, und der Himmel ist stark bewölkt. Peter geht es wohl genauso.

Zwischen Burgos und Villabilla de Burgos fängt es an zu nieseln. Wir halten an einer Tankstelle an, um die Taschen mit den Regenüberzügen zu bedecken. Die Straße führt danach leicht bergab um nach einem Kreisverkehr wieder anzusteigen. Die Straße schlängelt sich Kilometer um Kilometer einen Berg hinauf und wird immer steiler. Kurz vor dem Scheitelpunkt fängt es dann richtig an zu regnen. Peter fährt einige Meter hinter mir, so dass ich als Erster “oben” ankomme. Ich sehe einen Unterstand, in dem Straßenarbeiter eine Pause machen. Sie winken mich zu ihnen, allerdings warte ich noch bis Peter da ist.

Dann stellten wir uns auch dort unter. Die Arbeiter sind alle sehr freundlich. Der Vorarbeiter kann sogar ein wenig Deutsch. Wir erfahren, dass er zwölf Jahre lang in Mannheim gearbeitet hat und schon 30 Jahre kein Deutsch mehr gesprochen hat. Er fing auch sofort an, von den hübschen Frauen in Deutschland zu schwärmen. Ein Arbeiter hatte eine Flasche Rotwein dabei, die er uns auch reichte, aber wir lehnten dankend ab. Die Spanier tranken doch tatsächlich während der Arbeitszeit eine Flasche Wein. Unvorstellbar in Deutschland, da sie ja auch noch Auto fahren mussten.

Einige Minuten später gesellte sich noch ein Radfahrer zu uns. Ein lustig aussehender Kerl, etwa Mitte 50. Er hatte einen rosa Fahrradhelm älteren Baujahrs auf dem Kopf und Klammern am Hosenbein, damit die Hose nicht in die Kette kommt. Sein Fahrrad war auch etwas betagt und die Packtaschen fassten höchstens pro Seite einen Aktenordner. Wie sich dann ziemlich schnell herausstellte, war er auch Deutscher und kam aus Heidelberg. Er blieb ein paar Minuten und erzählte, dass hier die trockenste Region Spaniens sei, was ich bei einem Blick aus unserem Kabuff allerdings nicht bestätigen und glauben konnte, denn mittlerweile regnete es doch schon sehr stark.

Der Vorarbeiter fügte noch hinzu, dass der Regen gut sei, denn hier sei es seit Wochen sehr heiß und trocken.

Nach gut 30 Minuten Dauerregen beschlossen wir bis zum nächsten Dorf zu fahren und dort die Etappe abzubrechen, da es nicht nach besserem Wetter aussah. Der Vorarbeiter erklärte, dass es im nächsten Dorf ein Hotel gibt und wir nur bergab fahren müssten, was wir dann auch taten.

Direkt an der Hauptstraße in Olmillos de Sasamón gab es ein Hotel und eine Pension. Im Hotel war allerdings nur eine Putzfrau, die uns wieder hinausschickte. Gegenüber in der Bar des Hostals fragten wir dann den Wirt nach einem Zimmer, der uns allerdings auch nicht weiterhelfen konnte. Nach zirka 15 Minuten tauchte dann der Besitzer der beiden Unterkünfte auf. Er erklärte uns, dass ein Doppelzimmer im Hotel 60,- Euro und im Hostal 50,- Euro die Nacht kostet. Wir nahmen das Hotelzimmer. Unsere Räder konnten wir im Lager des Hotels unterstellen, direkt an Unmengen von Getränkekisten. Das Innere des Hotels glich einer alten Burgeinrichtung. Im Eingangsbereich war eine große, breite Steintreppe und der Gang zum Zimmer war mit urigen Leuchtern ausdekoriert. Unser Zimmer bot allen Komfort, den man sich nur wünschen konnte, und wir hatten sogar Deutsches Fernsehen.

Unser Blick aus dem Zimmerfenster fiel auf eine Burg mitten im Dorf, die wir uns später einmal genauer ansehen wollten.. Zuerst packten wir unsere Taschen aus, da der Regenüberzug leider bei der Regenstärke fast gar nichts genutzt hat. Die Klamotten waren alle ein wenig feucht. Wir duschten und ruhten uns danach erstmal aus. Gegen Mittag brachen wir dann zur Dorfbesichtigung auf, denn es hatte mittlerweile aufgehört zu regnen. In der Bar nahmen wir einen kleinen Snack ein und zogen dann weiter zur Burg. Auf halbem Weg kamen wir an einem Haus vorbei, vor dem ein kleiner Hund lag. Als er uns sah kam er auf Peter zugestürmt und begrüßte ihn. Peter streichelte ihn ein wenig, der Hund sprang richtig hoch und hielt sich mit seinen Vorderpfoten an Peters Hosenbein fest.

Von dem Moment an wich er nicht mehr von unserer Seite. Die Burg stellte sich dann als “Fake” heraus. Es war ein relativ neu erbautes 4-Sterne-Hotel.

Abends aßen wir dann im Hotel eigenen Restaurant unser Dinner. Da das Hotel direkt an einer Autobahnausfahrt liegt, waren nun auch sehr viele LKW-Fahrer dort. Im Fernseher lief die spanische Ausgabe vom perfekten Dinner. Ich stellte mein Tagesmenü aus verschiedenen Möglichkeiten zusammen und so bekam ich für 10,90 Euro: Eine große Portion Paella, gebratenen Lachs und ein Bananenmousse. Zurück auf dem Zimmer schauten wir noch ein wenig fern. Das einzige deutsche Programm, was wir empfangen konnten war ein Astro-Sender. So lauschten wir dem Moderator Jürgen, wie er armen älteren Frauen in schwierigen Lebenslagen, unter dem Vorwand ihnen zu helfen, das Geld aus der Tasche zieht. Wir amüsierten uns dabei prächtig.

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Etappen-Daten:

  • Tagesstrecke: 33,05 km
  • Fahrzeit: 1:58:56
  • Schnitt: 16,60 km/h
  • Max.: 46,50 km/h
  • Höhenmeter: 238
  • Ø-Steigung: 2%
  • Max. Steigung: 5%

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