Nach einer sehr guten Nacht und einem angenehmen Frühstücksbuffet, räumen wir unser Zimmer und checken aus. Wir fahren mit dem Fahrstuhl in die Tiefgarage, um unsere Räder zu beladen. Als alles fertig gepackt ist, fahren wir unsere Räder zum Autolift. Im Lift machten wir uns schon so unsere Gedanken, wie es wohl auf andere Leute wirken mag, wenn an einem Hotel-Autolift, der genau an einem größeren Platz in der Fußgängerzone mündet, plötzlich das Tor aufgeht und zwei Fahrradfahrer herausgefahren kommen. Als es dann soweit war und sich das Tor öffnete, blieben einige Leute stehen, in Erwartung eines Autos, um nicht umgefahren zu werden.

Gegenüber dem Hotel parkte ein großer, schwarzer Mercedes samt Fahrer. Als wir hinaus gefahren kamen, schaute der Fahrer etwas bedeppert mit offenem Mund. Was er wohl in diesem Augenblick gedacht haben mag?

Peter und ich fuhren weiter und lachten uns hinter der nächsten Ecke erstmal schlapp. Diese Szene war unser Thema für die nächsten Kilometer.

Es ging immer der Hauptstraße entlang in Richtung Burgos. Die Straße mündete aber irgendwann mal wieder in eine Autobahn. Diesmal waren aber Schilder aufgestellt, die es Radfahrern ausdrücklich verboten, weiter zu fahren. Also drehten wir um und suchten uns einen anderen Weg. Eine alte Dame hielt uns an und gestikulierte wild in der Gegend herum. Wir seien auf dem falschen Weg, wie sie uns zu verstehen gab. Wir wollten aber auf der Straße bleiben und nicht wieder auf den Wanderweg geschickt werden. Letztendlich sind wir dann aber doch zum Wanderweg gefahren. Ich muss sagen, der war toll. Ein komplett neu angelegter Betonweg, der mitten durch ein Naherholungsgebiet geht. Auf dem Weg fuhr noch ein Belgier mit uns mit. Er war mit seinem Rad vor seiner Haustür gestartet und bisher gut 1.000 km gefahren.

Im Laufe des Tages wurde es wieder unerträglich warm, aber landschaftlich wunderschön. Es war mal wieder ein Wechsel von Bergauf- und Bergabfahrt, dafür ging aber der größte Teil des Weges durchs Weinanbaugebiet La Rioja. Die Bodegas haben mit deutschen Weingütern rein gar nichts zu tun. Es sind meist riesige Fabrikhallen, wo die LKWs fast im Sekundentakt vorfahren. Einige Bodegas haben auch wunderschöne Verwaltungsgebäude, die an Villen in Beverly Hills erinnern.

Kirche und Hauptplatz in Santo Domingo de la Calzada
Kirche und Hauptplatz in Santo Domingo de la Calzada

In Santo Domigo de la Calzada angekommen, suchten wir zuerst die Pilgerherberge auf, um uns den Stempel abzuholen. Übernachten wollten wir dort nicht, denn wir hatten uns schon während der Etappe abgesprochen, wieder in ein Hotel oder eine Pension zu gehen. Es ist einfach viel angenehmer sein Gepäck in einem Raum einschließen zu können und Nachts ohne Schnarcher zu schlafen.

Die Herberge war allerdings mit anderen Pilgern so überfüllt, dass wir uns nicht noch eine halbe Stunde in einer Schlange anstellen wollten, nur um einen Stempel zu bekommen. An einem Seitentisch entdeckten wir dann, dass man sich den Stempel auch selber geben konnte, was wir dann auch taten! Peter stempelte meinen Pass und ich seinen.

Weiter ging’s zur Tourismus-Info, um nach Hotels und Pensionen zu fragen. Der Herr war sehr freundlich und bemüht, mir auf Spanisch zu erklären, wo es günstige Unterkünfte gibt. Wir entschieden uns für ein Hostal in der Nähe, damit wir nicht noch weit fahren mussten. Direkt an der Hauptstraße von Santo Domingo bot eine Bar günstige Zimmer an, also fuhren wir dort hin.

Der junge Wirt nannte uns den Preis von 30,- Euro fürs Doppelzimmer. Dusche und Toilette befanden sich auf dem Gang. Unsere Fahrräder konnten wir in seinem Lager unterbringen. Das hört sich doch gut an, also nehmen wir das Zimmer.

Kirche
Kirche

Nachdem wir das Zimmer betreten hatten, fiel mir erstmal der kleine Balkon auf. Dort konnten wir unsere Wäsche nach dem Waschen gut aufhängen. Nun ging es aber zur Dusche auf dem Gang. Als ich diese betrat, traf mich fast der Schlag. Wann wurde hier zum letzten Mal geputzt? Oder besser: Wurde hier überhaupt schon einmal geputzt? Die Duschwanne war schwarz-grün vor Schimmel, die Fliesen teilweise ebenfalls. Der Toilettendeckel sah auch nicht besser aus. Ich war ja aus einigen Sporthallen schon an Einiges gewöhnt, aber hier war es definitiv die schnellste Dusche, die ich jemals genommen habe! Peter ging es genau so, und wir beschlossen, in diesem Hostal nie wieder unterzukommen, falls wir hier irgendwann noch mal herkämen.

Nachdem wir uns in unseren Betten einige Minuten ausgeruht hatten, gingen wir noch im Dorf, zur Kathedrale, wo zum einen das Grab des berühmten Förderers der Jakobswallfahrt, Domingo García, sowie zwei lebende Hühner zu sehen sind.

Das dort lebende Hühner gehalten werden, haben wir einer deutschen Pilgerfamilie aus Xanten zu verdanken. Dazu zitiere ich die Legende aus Wikipedia:

„Zur Hochzeit der Wallfahrt nach Santiago de Compostela soll eine Pilgerfamilie aus Xanten nach Santo Domingo de la Calzada gekommen sein. Sie übernachteten in einem Wirtshaus.

Die Wirtstochter fand den Sohn der Familie sehr attraktiv, der – fromm und keusch – ihr Angebot aber zurückwies. Die Zuneigung der Wirtstochter wandelte sich bösen Zorn, sie sann auf Rache und versteckte einen Silberbecher in seinem Gepäck.

Der Wirt bemerkte am Folgetag den Verlust und schickte die Stadtbüttel aus, die auch schnell fanden, was sie suchten. Der junge Mann wurde nach kurzem Prozess aufgehängt und die Eltern zogen traurigen Herzens weiter nach Santiago.

Auf dem Rückweg kamen sie wieder an der Richtstatt vorbei, wo sie ihr Sohn ansprach, dass er gar nicht tot sei, weil ihn (Version 1) Santiago bzw. (Version 2) Santo Domingo gehalten hätten. Die Eltern liefen daraufhin zum Richter, der vor einem Teller gebratener Hühner saß, und berichteten das Vorgefallene. Der Richter antwortete, dass ihr Sohn so tot wie die beiden Hühner vor ihm wären, worauf diese sich erhoben und davonflatterten. Nun wurde der Sohn ab- und die Wirtstochter aufgehängt, die Familie zog weiter nach Hause.“

Leider wurde die Kirche gerade geschlossen, so dass wir das Innere nicht zu Gesicht bekamen. Dafür hielt aber eine große, englische Pilgergruppe gerade mit ihren zwei Reisebussen vor dem besten Hotel am Platze, gegenüber der Kathedrale. Das nennt man also Pilgern. Gemütlich mit dem Bus von Ort zu Ort fahren und dort dann nur kurz alles besichtigen. Aber Jeder soll so pilgern wie es ihm gefällt. Wir schlenderten durch die Gassen und stellten fest, dass es nicht Santo Domingo de la Calzada sondern de la Kasalla heißen muss, wobei wir Kasalla mal ganz frei mit “etwas kaputt machen” übersetzen. An fast jeder Ecke sagte ich zu Peter: “Schau mal! Kaputt!” Sämtliche Bauten in diesem Örtchen hatten erhebliche Schäden, oder sahen einfach nur verfallen aus. Und bei Gebäuden, wo Gerüste davor standen, sagten wir dann, dass die Bauarbeiter das Gebäude gerade “kaputt” machen, damit es besser ins Stadtbild passt.

Und wieder haben wir einen Running-Gag. Nachdem nun der Weg an allem Schuld war, war nun auch noch alles “Calzada”.

Abends haben wir dann noch ein vorzügliches Mahl in diesem schnieken Örtchen zu uns genommen. Ich hatte eine Paella Marisco und Peter eine Pizza. Aber leider waren Beide aus der Tiefkühltruhe. Die Paella ging noch, aber Peter meinte, dass seine Pizza gar nicht gehe.

Zu Santo Domingo de la Calzada können wir eigentlich nur eine Empfehlung geben: Einfach auf der Nationalstraße bleiben und einen großen Bogen drum herum machen!

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Etappen-Daten:

  • Tagesstrecke: 54,79 km
  • Fahrzeit: 3:45:45
  • Schnitt: 14,50 km/h
  • Max.: 47,00 km/h
  • Höhenmeter: 639
  • Ø-Steigung: 3%
  • Max. Steigung: 12%

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