Die Nacht über habe ich kaum geschlafen. Zwei der Spanier in unserem Container haben fast durchgängig geschnarcht. Trotz Ohrenstöpseln konnte man sie deutlich hören. Peter und ich standen wieder um 6:00 Uhr auf. Draußen war es stockfinster. Mein Fahrradlicht war schon wieder leer, obwohl ich den Akku zu Hause noch aufgeladen hatte. Also suchten wir unsere Kulturbeutel im Dunkeln heraus und gingen in den Sanitärcontainer, um uns zu waschen. Danach packten wir unsere Räder und machten uns zum Frühstück auf. Leider war in Roncesvalles alles noch verschlossen, so dass wir am Brunnen erstmal unsere Flaschen und meinen Trinkrucksack füllten und uns dann auf den Rädern ins nächste Dorf bergab rollen ließen. Es waren schon viele Fußpilger unterwegs und in Burguete direkt an der Kirche hatte dann auch eine Bar geöffnet. Wir genehmigten uns wieder Tortilla-Baguettes und Peter dazu einen Cafe con leche, ich einen warmen Kakao. Kurz darauf erschien auch unser junger Deutscher Fuß-Pilger, der am vorherigen Tag völlig fertig in Roncesvalles angekommen war. Heute sah er deutlich erholter und fitter aus. An unseren Tisch gesellte sich ein Ehepaar aus Deutschland. Wir unterhielten uns ein wenig mit ihnen, ehe wir wieder aufbrachen.

Landschaft um Pamplona
Landschaft um Pamplona

Ich machte Peter den Vorschlag nun über den “offiziellen” Pilgerweg und nicht mehr über die Straße zu fahren. Das war eine schlechte Idee. Anfangs ging es noch über Feldwege, später dann allerdings über unbefestigte Trampelpfade steil berghoch. Wir nutzen die erste Möglichkeit, die sich bot, um wieder auf die Straße zu wechseln. Obwohl wir die Pyrenäen hinter uns hatten, ging es ständig bergauf und bergab. Uns kamen unzählige Rennradfahrer entgegen, teilweise sogar in Gruppen bis zu 30 Personen. Die Basken sind definitiv rennradverrückt. Wir wurden von den meisten Radfahrern freundlich gegrüßt. Auf dem Monte de Erro machten wir Rast und trafen auf einen Radpilger aus Bayern. Er machte mit meiner Kamera ein Foto von uns und erzählte, dass er geplant habe, jeden Tag 80 km zu fahren und in 10 Tagen in Santiago anzukommen.

Vom Erro aus ging es über die Nationalstraße bergab bis in die ersten Vororte von Pamplona. Die Straße mündete aber plötzlich in eine Autobahn. Es gab keine Möglichkeit eine andere Strecke zu fahren. Also blieben wir auf dem Seitenstreifen der Autobahn. Die Basken störten sich auch nicht daran. In Deutschland hätte man uns doch alle zwei Sekunden angehupt und spätestens nach 5 Minuten wäre eine Warnmeldung im Radio gekommen. Hier nicht! Die Autobahn mündete in einen Kreisel, wo ein Polizist eine Ausfahrt abgesperrt hatte. Da mein Kartenmaterial nichts Genaues aussagte, fragten wir den Polizisten nach dem Weg in die Altstadt. Er war freundlich und half uns sofort.

Stierkampf-Arena Pamplona
Stierkampf-Arena Pamplona

Im Vorfeld der Reise hatten wir schon beschlossen, in der Herberge der Jakobusfreunde Paderborn unterzukommen. Also machten wir uns auf die Suche danach. Nach einer Irrfahrt durch verschiedene Parkanlagen wurden wir mit Hilfe Einheimischer fündig. Es war kurz vor Eins und der Herbergsvater sagte uns, dass er noch Zimmer frei habe, aber jetzt erstmal Mittagspause sei. Wir konnten ihm aber schon die Pilgerausweise dalassen, er würde uns dann schon mal eintragen. Unsere Fahrräder und das Gepäck durften wir im Keller zwischenlagern. Als wir die Treppe zur Terrasse des Hauses hinuntergingen um alles im Keller zu verstauen, wurden wir von anderen Pilgern begrüßt. Ein älterer Herr machte sich direkt bei uns beliebt in dem er uns mit den Worten begrüßte: “Da sind ja die Gedopten!”

Der Herbergsvater sagte uns noch, dass wir dann gegen 14:30 Uhr wieder da sein sollen. Wir schlugen uns die Zeit bis dahin im anliegenden Park tot, da wir keine Lust hatten mit unseren verschwitzten Klamotten in die Stadt zu gehen.

Pünktlich um 14:30 Uhr machte die Herberge wieder auf. Es hatten sich schon mehrere andere Ankömmlinge dort versammelt. Eine zweite Helferin, die mit ihrem Sohn da war, fragte direkt nach den zwei Radpilgern. Wir meldeten uns und durften eintreten. Im Büro wurden unsere Ausweise abgestempelt und gefragt, ob wir am nächsten Morgen auch ein Frühstück wollten. Außerdem bekamen wir noch die Info, dass es im angrenzenden Schwimmverein für alle Pilger aus dieser Herberge ein Pilgermenü gibt. Das Zimmer hatte ebenfalls wieder vier Stockbetten und bot Platz für 8 Pilger. Die Matratzen waren sehr dick und angenehm. Das ist eine reine Luxusherberge und nur zu empfehlen.

Calle Estafeta in Pamplona
Calle Estafeta in Pamplona

Jetzt konnten wir auch duschen und im Garten unsere Wäsche waschen. Danach machten wir uns auf den Weg in die Altstadt. Auf dem großen Hauptplatz überlegten wir uns, eine Kleinigkeit zu essen. Ich hatte gehört, dass es im Baskenland kleine Snacks namens Pixtos gibt, die sehr gut sein sollen. Wir suchten uns die erstbeste Pixtos-Bar und bestellten einen kleinen Teller mit einem Pixto. Es war lecker! Danach gingen wir noch zur Stierkampfarena und beschlossen noch in eine andere Pixtos-Bar zu gehen, da ein Pixto doch sehr wenig ist. Direkt an der Calle Estafeta, dort werden zur Sanfermines die Stiere durchgetrieben, fiel unsere Wahl auf eine Bar. Die Pixtos sahen alle sehr lecker aus. An der Wand hingen jede Menge Auszeichnungen für die Kreationen. Der Wirt war ein sehr cooler Typ, Mitte 30 und beglückwünschte uns zu jeder Pixto-Wahl, die wir trafen. Jedes Pixto bei ihm war immer das Beste! Sie waren auch echt klasse, außerdem lief in der Bar Musik, die uns sehr gefiel. Alte Rockklassiker und moderner Rock. Metallica wurde auch gespielt, und der Wirt pfiff fast alles lauthals mit. Das war echt klasse!

Blick in eine Bar
Blick in eine Bar

Am frühen Abend setzten wir uns dann auf die Terrasse der Herberge und unterhielten uns mit den anderen Pilgern. Es waren alles Deutsche.

Der ältere Herr, der uns schon am Mittag negativ auffiel, fragte mich direkt, ob meine Kappe, die ich auf hatte, etwas mit ETB Schwarz-Weiß Essen zu tun habe. Ich bejahte dies. Da fing er direkt an zu erzählen, dass er schon oft in Essen war und noch vieles mehr, was ich schon gar nicht mehr weiß. Auf jeden Fall stellten Peter und ich fest, dass uns der Herr sehr unsympathisch sei. Ein Ehepaar fragte dann noch, wer mit zur Pilgermesse kommt, worauf unser neuer Freund meinte, dass er mitkäme und dafür sogar seinen “Karasek” weglegen würde. Einige Pilger brachen mit dem Ehepaar und dem nach Aufmerksamkeit bettelnden Herrn zur Pilgermesse auf. Wir unterhielten uns noch mit einem netten Pilger, der auch in unserem Zimmer schlief. Später kam noch ein Pilger aus Thüringen dazu.

Stadtleben
Stadtleben

Peter und ich machten uns dann gegen Acht zum Abendessen im Schwimmverein auf. Ich hatte als Vorspeise eine Fischsuppe, als Hauptgang Rinder-Gulasch mit Pommes, Erbsen und Möhren, sowie als Nachtisch Karamell-Pudding. Während wir aufs Essen warteten kamen auch die Pilger aus der Pilgermesse zum Abendessen. Sie setzten sich an einen großen Tisch. Natürlich saß unser Freund am Kopfende und unterhielt seine “Jünger”.

An diesem Tag waren wir richtig froh, dass man als Radpilger die meisten Leute nur einmal sieht!

Gasse in Pamplona
Gasse in Pamplona
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Etappen-Daten:

  • Tagesstrecke: 54,88 km
  • Fahrzeit: 3:03:24
  • Schnitt: 17,90 km/h
  • Max.: 58,00 km/h
  • Höhenmeter: 438
  • Ø-Steigung: 4%
  • Max. Steigung: 19%

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