Heute ist es soweit. Wir werden Santiago de Compostela erreichen. Zeitig stehen wir auf, packen unsere Sachen und gehen zur Bar, wo wir am Vorabend schon sehr gut gegessen haben. Die Bar ist total überfüllt. Der Barmann hat auch gar keinen Überblick über die Bestellungen, und so warten wir gute 20 Minuten bis wir endlich unsere Getränke bekommen und nochmals gut 10 Minuten auf das spanische Croissant.

Nach dem Frühstück bitten uns noch ein paar französische Pilger ein Foto von sich zu machen, danach können wir zur Etappe aufbrechen.

Es geht durch schöne Wälder mit viel Schatten und durch viele kleine Dörfer. In einem der Dörfer kommen uns zwei Radpilger entgegen, die uns irgendwie bekannt vorkommen. Auch sie erkennen uns. Es ist das belgische Ehepaar, das in Saint Jean Pied de Port in der gleichen Herberge übernachtet hat wie wir. Wir plauschen ein wenig und erfahren, dass die Beiden ihr Auto in Leon geparkt haben und von dort aus nach Santiago gefahren sind. Nun sind sie wieder auf dem Rückweg. Die Frau möchte noch ein Foto mit uns machen, was wir natürlich sofort erledigen. Dann geht’s aber auch schon wieder weiter.

Mittlerweile ist es schon wieder 30° C warm, und wir kämpfen uns den steilen Anstieg zum Flughafen hoch. Oben angekommen, verlassen wir die Nationalstraße und fahren über den Pilgerweg weiter. Es geht durch ein schönes Waldgebiet und noch steiler hoch zum Monte de Gozo. Am Papstdenkmal, das zum Papstbesuch 1993 errichtet wurde, legen wir eine Pause ein. An der Kapelle holen wir uns den letzten Stempel vor Santiago. Vom Berg aus kann man nach Santiago sehen. Wir erblicken zum ersten Mal die Kathedrale, unser Ziel.

Papstdenkmal auf dem Monte de Gozo
Papstdenkmal auf dem Monte de Gozo
Blick auf Santiago de Compostela
Blick auf Santiago de Compostela

Am Denkmal sitzt ein weiterer Radpilger. Ein junger Italiener aus Sizilien. Ich habe mein Gerolsteiner-Radtrikot an, worauf er mich mit Stefan Schumacher (Anm. Schumacher war 2008 beim Team Gerolsteiner unter Vertrag) anredet. Wir kommen ins Gespräch. Er ist den Jakobsweg schon ein Jahr zuvor gefahren und hat sich dafür auch viel Zeit genommen. Dieses Jahr allerdings warten seine Kinder ungeduldig zu Hause auf ihn, so dass er von St. Jean nach Santiago in nur sieben Tagen gefahren ist. Was für eine Leistung! Wir unterhalten uns noch ein wenig über die Situation im Rennradsport bevor er sich dann auf die letzten Kilometer macht.

Auch Peter und ich machen uns alsbald auf den Weg. Es geht zum Glück jetzt erstmal bergab, vorbei an Spaniens größtem Naherholungsgebiet und an zwei großen Fernsehsendern.

Auf dem großen Vorplatz
Auf dem großen Vorplatz

Als wir über eine Brücke fahren, passieren wir das Ortsschild von Santiago de Compostela. Ein gutes Gefühl. Ich fange spontan an zu grinsen. Es ist gleich geschafft. Nun geht es nur noch in die Altstadt und zum Praza do Obradoiro vor die Kathedrale. Dort treffen wir auch den Sizilianer wieder. Ich lege mein Fahrrad auf den Boden. Peter und ich umarmen uns. Es ist geschafft! Wir sind da! Sofort holen wir die Handys raus und rufen erstmal zu Hause an. Nun werden ein paar Fotos gemacht. Danach setzen wir uns mitten auf den Platz und lassen alles auf uns wirken. Einige Minuten später entdeckt Peter den bayerischen Radpilger, den wir kurz vor Pamplona auf dem Erro getroffen hatten. Wir gehen zu ihm. Er ist einen Tag vor uns eingetroffen und schaut sich nun die Stadt an. Wir fragen ihn nach dem Weg zum Pilgerbüro. Er begleitet uns dorthin. Vor dem Gebäude verabschieden wir uns.

Kathedrale in Santiago
Kathedrale in Santiago

Peter passt auf die Räder auf, während ich mich ins erste Stockwerk aufmache, um die Compostela abzuholen. Ich werde auch sofort zu einem freien Schalter gewunken. Eine nette Spanierin fragt nach dem Pilgerausweis und gibt mir einen Zettel, den ich ausfüllen muss. Sie fragt mich noch, ob ich alleine unterwegs bin und ob ich den ganzen Weg mit dem Rad gefahren bin. Ich entgegne ihr, dass ich nicht alleine unterwegs bin, sondern noch einen Kumpel dabei habe, der aber gerade auf die Räder aufpasst. Nun bekomme ich die Compostela. Damit ist der Jakobsweg zu Ende.

Nun passe ich auf die Räder auf und Peter geht hoch. Nach ein paar Minuten kommt Peter mit seiner Compostela zurück und erzählt mir, dass er wohl bei der gleichen Dame war, denn sie empfing ihn mit den Worten: “Ah, you are here with Marcel.” – “Ah, du bist mit Marcel hier.”

Nun müssen wir uns mal wieder eine Unterkunft suchen. Wir gehen durch die Gassen und fragen in einigen Hostals nach, aber hier ist es recht teuer. Eine einfache Unterkunft kostet hier schon 50,- Euro pro Nacht. In einem 3-Sterne-Hotel werden wir dann aber letztendlich fündig. Hier kostet die Nacht zwar 60,- Euro, aber dafür ist es ein viel besserer Standard als in den einfachen Hostals. Unsere Räder können wir in der Tiefgarage parken.

Am späten Nachmittag gehen wir erstmal etwas essen. Wir freuen uns, dass es dort einen Burger King gibt. Darauf haben wir jetzt Hunger. Auf dem ganzen Weg haben wir keine Schnellrestaurants gesehen. Nicht einmal in den größeren Städten. Hier gibt es auch endlich Pommes, so wie man sie eigentlich kennt und nicht so labberig wie in ganz Spanien.

Später gehen wir dann zur Kathedrale. Im Inneren umarmen wir die Statur des heiligen Jakobus, um ihm so zu danken, dass wir den Weg geschafft haben.

Das Ziel für die Pilger
Das Ziel für die Pilger

Den Rest des Tages nutzen wir, um uns die Stadt anzusehen. In einer Gasse gibt es nur Restaurants und Bars. Die Schaufenster sind mit lebenden Hummern, verschiedenen Muscheln, Garnelen, Seeteufeln, Schinken und noch vielem mehr dekoriert. Wir suchen uns schon jetzt ein edles Restaurant aus, wo wir am Abend essen wollen. Ansonsten bleibt zu Santiago eigentlich nur zu sagen, dass es ein typischer Touristen-Ort ist. Überall gibt es Tinnef-Läden und alles ist recht teuer. In einem Park vertreiben wir uns ein wenig die Zeit.

Leckere Sachen
Leckere Sachen

Am Abend genehmigen wir uns im Restaurant eine Fischplatte mit Kartoffeln für zwei Personen. Auf der Platte findet man unter anderem Seeteufel und Seehecht. Es schmeckt alles sehr gut, aber es ist viel zu viel.

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Etappen-Daten:

  • Tagesstrecke: 72,27 km
  • Fahrzeit: 4:13:20
  • Schnitt: 17,10 km/h
  • Max.: 59,00 km/h
  • Höhenmeter: 973
  • Ø-Steigung: 3%
  • Max. Steigung: 16%

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