Als wir am Morgen aufstehen, ist uns klar, dass die Etappe heute nochmals sehr schwierig wird.  Es geht schließlich zum Cruz de Ferro auf gut 1.530 Hm hoch. Schnell fuhren wir aus León raus, und die Kilometer bis Astorga spulten wir ohne Probleme locker ab. Zur Stadt mussten wir nochmals einen kurzen aber knackigen Anstieg nehmen. Es ging mit bis zu 20% berghoch. Mich packte die Motivation und ich überholte im relativ hohen Gang zwei spanische Radpilger, die zuvor mit recht hoher Geschwindigkeit an uns vorbei gerauscht waren. Das tat gut.

Wir suchten den Weg zum Rathausplatz und hatten großes Glück. Es war Punkt 12, als wir dort eintrafen. Der Rathausplatz war voller Menschen, die gebannt auf die Rathausuhr schauten. Das Rathaus ist eigentlich ein Palast aus dem 17. Jahrhundert und an dessen Uhr läuten zwei Figuren (Colasa und Perico) in traditioneller Maragatos-Tracht die Stunden ein.

Rathaus Astorga
Rathaus Astorga

Am Platz gab es zwei Restaurants. Wir setzten uns auf die Terrasse des einen und bestellten erstmal etwas zu trinken. In einem meiner Führer las ich, dass Astorga für ein spezielles Gebäck berühmt sei. Hojaldrados sind verschiedene Kekse aus Blätterteig, die ich in einem Laden direkt am Platz besorgen konnte. Später wechselten wir dann zum zweiten Restaurant, da die Kellner im Ersten wohl nicht daran interessiert waren, eine weitere Bestellung aufzunehmen. Dort aßen wir dann zu Mittag.

Bischofspalast Astorga
Bischofspalast Astorga

Gut ausgeruht fuhren wir nach gut einer Stunde Pause weiter. Wir kamen am berühmten Bischofspalast von Astorga vorbei, der von Gaudí errichtet wurde. Direkt nebenan befand sich auch die aus dem 8. Jahrhundert stammende Kathedrale Santa Maria. Aus der Stadt ging es dann erstmal leicht bergab heraus. Wir rollten uns gemütlich warm bis zum Dorf Castrillo de Polvazares, welches sehr urig aussah. Die Häuser und Straßen waren alle aus den gleichen, rötlichen Steinen gebaut. Man fühlte sich wie in einer anderen Epoche. Alles wirkte irgendwie römisch. Über einen Feldweg fuhren wir aus dem Dorf heraus wieder auf den eigentlichen Weg. Von nun an geht es nur noch berghoch. Wir kommen nur noch langsam voran. In El Ganso legen wir eine Wasserauffüllpause ein. Dort treffen wir auf zwei Engländerinnen. Wie sich herausstellt, sind es Mutter und Tochter aus London, die erst an diesem Tag ihren Jakobsweg in León gestartet haben. Wir fahren ein Stück zusammen und unterhalten uns. Da es aber stetig bergauf geht, müssen die Beiden bald abreißen lassen.

Hinter Rabanal del Camino wird der Weg steiler. Peter und ich verständigen uns darauf, dass von nun an jeder sein eigenes Tempo fährt, bis wir am Cruz de Ferro sind. Zwischendurch werde ich von zwei Spaniern überholt, die ein gutes Tempo vorlegen.

Pilgerweg
Pilgerweg

Mein Fahrradcomputer zeigt 32° C an. Es gibt fast keinen Schatten. Ich kämpfe mich Stück für Stück den Anstieg hoch und verfluche mit jedem Tritt diese Etappe. Peter ist gut 400 Meter hinter mir, aber noch in Sichtweite. Als ich dann in Foncebadón ankomme, bin ich glücklich. Jetzt muss doch auch endlich das Cruz zu sehen sein, aber das war falsch gedacht. Auch, dass es nun flacher werden musste, bestätigte sich nicht. Die Straße führte um das Dorf herum und stieg noch weiter an. Erst nach gut einem weiteren Kilometer ging es dann endlich ein wenig bergab und hinter einer Kurve war das Cruz zu sehen. Der letzte kleine Anstieg zum Cruz war dann schnell gefahren, und ich wurde von den zwei Spaniern schon lautstark empfangen. Sie gratulierten mir, dass ich den Anstieg geschafft habe.

Cruz de Ferro
Cruz de Ferro

Kurz darauf traf ein weiterer Spanier ein, der zu den beiden Anderen gehörte. Einen kleinen Augenblick später kam auch Peter.

Das Cruz de Ferro ist ein Eisenkreuz, das auf einem Baumstamm montiert ist. Dieser befindet sich auf einem Steinhügel. An dem Kreuz legen Pilger einen mitgebrachten Stein aus der Heimat nieder, der das Ablegen von Sünden symbolisieren soll. Der Brauch, einen Stein dort abzulegen, ist auf die Römer zurückzuführen, die dort einer Weggottheit huldigten. Des Weiteren gibt es dort noch eine kleine Kapelle und einen riesigen Parkplatz. Wir finden, dass der Ort durch die Infrastruktur eigentlich gar nichts Besonderes ist und stellen uns vor wie Reisebusse auf den Parkplätzen stehen und massenweise Touristen auf dem Hügel herumkraxeln. Wir legen unsere Steine aber trotzdem ab.

Im Reiseführer steht, dass nun eine gut 20 km lange Abfahrt auf uns wartet, die bis nach Ponferrada reicht. Vorher müssen wir aber nochmals berghoch fahren. Durch das Schwitzen ziehen wir Fliegen magisch an. Etwas später überholen wir einen Fußpilger, der nur so von Fliegen verfolgt wird. Um seinen Kopf hat sich ein richtiger Schwarm gebildet. Hinter Manjarin ging es dann endlich bergab. Die Straße ist teilweise gefährlich zu fahren, da sie nicht nur sehr schmal ist, sondern auch am Rande sehr tiefe Abgründe hat.

Nach gut einer Stunde Abfahrt kommen wir in Ponferrada an. Auf dem Marktplatz ist eine riesige Bühne aufgebaut, wo Musikgruppen auftreten. In der ganzen Stadt herrscht reges Treiben. Das Tourismus-Büro in der alten Templerburg hat geschlossen, so dass wir uns auf eigene Faust ein Hotel suchen. Nach dieser Etappe durfte es wieder etwas Besseres sein. Wir checken im 3-Sterne-Hotel Bierzo Plaza direkt am Marktplatz ein, wo wir dann auch zu Abend essen.

Es gibt wieder einmal das Tagesmenü, bestehend aus Bohnen mit Langustinos und Muscheln, sowie gegrilltes Lamm mit Pommes und Paprika. Als Nachtisch gibt es Eis. Mittlerweile machen wir uns Gedanken darüber, wie es wohl aussehen muss, wenn zwei völlig verschwitzte Typen in hautenger Radkleidung nach einem Zimmer fragen. Wir denken uns aber, dass am Jakobsweg alle daran gewöhnt sind.

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Etappen-Daten:

  • Tagesstrecke: 109,95 km
  • Fahrzeit: 6:19:48
  • Schnitt: 17,30 km/h
  • Max.: 60,50 km/h
  • Höhenmeter: 1.187
  • Ø-Steigung: 3%
  • Max. Steigung: 20%

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