Pünktlich um 06:00 Uhr stehen wir auf, waschen / duschen uns und trotten zum Frühstücksbuffet. Es gibt Toast, Butter, Marmelade, Kakao, Kaffee und Saft. Das Frühstück ist nicht üppig, aber es reicht um in den Tag zu starten. Wir entscheiden uns draußen, vor dem Hotel, zu frühstücken.
Die Temperatur ist an diesem Morgen recht angenehm. Müde starren wir in der Gegend herum. Die Etappe soll uns heute einen behutsamen Start in den Jakobsweg bringen. Es erwarten uns nicht allzu starke Steigungen, über gut 60 Kilometer, nach St. Jean Pied de Port. Das Pyrenäen Städtchen St. Jean ist der beliebteste Startort für Pilgerreisen nach Santiago de Compostela.

Porte Notre-Dame in St. Jean Pied de Port
Porte Notre-Dame in St. Jean Pied de Port

Nach dem Frühstück packen wir unsere Sachen, checken aus und brechen auf. Es geht durch das Gewerbegebiet in Richtung Innenstadt. Wir überqueren die Brücke über die Adour und fahren dann immer flussaufwärts der Nive entlang. Wir überqueren eine Kreuzung, hinter der wir in einer kleinen Parkanlage das erste Jakobsweg-Schild entdecken. Der Weg ist komplett asphaltiert und daher sehr gut zu fahren.
Aber an das Gewicht auf der Hinterachse müssen wir uns erst noch gewöhnen.Vor einer Autobahnbrücke machen wir, direkt am Fluss, unsere erste Rast. Wir dehnen unsere Muskeln und quatschen dabei ein wenig.
Nis Itxassou können wir auf dem Weg bleiben, dann müssen wir allerdings auf die vielbefahrene Nationalstraße D918 ausweichen. Diese hat aber zum Glück einen Seitenstreifen. Kurz nach dem Straßenwechsel tauchen hinter einer Kurve dann die ersten Gipfel der Pyrenäen auf. Ein herrlicher Ausblick. Wir halten kurz an um ein paar Fotos zu schießen.
Im Laufe des Tages steigen die Temperaturen und wir machen an einem Restaurant irgendwo hinter Eyharce eine kleine Pause auf einer Mauer. Peter fragt in dem Restaurant nach Wassser für seine Trinkflasche. Wir teilen uns die ersten beiden Müsliriegel, die wir als Energiespender mitgenommen haben.

Rue de la Citadelle in St. Jean Pied de Port
Rue de la Citadelle in St. Jean Pied de Port

Gegen Mittag kommen wir in St. Jean an. Die Straßen und alten Gassen sind von Menschen belagert. Wir suchen zuerst nach dem Pilgerbüro in der Rue de la Citadelle. Es geht durch das berühmte Tor der gotischen Kirche “Eglise Notre Dame de St. Jean Pied de Port” und einen ziemlich steilen Anstieg hinauf zum Büro.Wir laufen zu weit, da in einem meiner Führer steht, dass sich das Büro in Hausnummer 55 befindet. Dort ist aber nur ein Refugio, eine Herberge. Die Dame, die die Herberge leitet, schickt uns die Straße wieder hinab zur Nummer 39.
In dem Büro herrscht reges Treiben. Nach kurzer Wartezeit bittet uns ein Helfer zu sich an seinen Tisch. Sein Name ist Jean-Claude, Mitte 60 und spricht Englisch. Als erstes fragt er nach unserer Credencial, dem Pilgerpass und trägt die Nummern der Pässe in eine Liste ein. Jetzt bekommen wir auch unseren ersten Stempel. Außerdem fragt er, ob wir schon eine Unterkunft haben. Diese hatten wir natürlich noch nicht.
Er gibt uns den Tipp als erstes in Herbergen immer nach dem Preis zu fragen. Es sei schon sehr oft vorgekommen, dass Pilger aufgenommen wurden und dann später einen völlig überteuerten Preis zahlen mussten. Jean-Claude gibt uns auch noch ein Unterkunftsverzeichnis und ein Höhenprofil des gesamten Weges mit. Anschließend geht er mit uns eine Tür weiter zu Haus 37. Das ist die private Herberge von Madame Preuilh. Leider spricht die rüstige Dame nur französisch.
Sie führt uns durch ihr mittelalterliches Haus aus dem 16. Jahrhundert und bietet uns verschiedene Schlafmöglichkeiten an. Ein Durchgangsraum mit 5 Betten, ein Raum mit zwei Doppelbetten und ein Raum mit einem Doppel- und einem Einzelbett. Wir entscheiden uns für die letztere Variante für 25,- Euro die Nacht.
Schnell ist uns aufgefallen, dass Madame Preuilh ständig “Ca va?” fragt und ihre einzige Floskel, die sie auf deutsch kann “Ja, ja” ist. Unsere Fahrräder können wir auf ihrer Terrasse unterstellen, ca va? Ja, ja!

Rue de la Citadelle in St. Jean Pied de Port
Rue de la Citadelle in St. Jean Pied de Port

Die Sanitäranlagen sind auf dem Balkon des Hauses untergebracht, wo wir uns dann auch erstmal frisch machen. Die Fahrradbekleidung können wir in einer Schüssel auf der Terrasse waschen. Ich wollte anschließend die nassen Klamotten auf der Wäscheleine aufhängen, aber unsere forsche Herbergsmutter hat sie sofort wieder heruntergerissen und alles selber aufgehangen. Ihr Mann lachte nur.
Danach starteten wir zu einem Rundgang durch St. Jean. Vor der Citadelle ließen wir uns dann nieder. Von dort hat man einen herrlichen Blick über die Stadt.Ich legte mich auf die Wiese und hielt ein kleines Nickerchen, während Peter auf einer Bank saß und zeichnete.

Citadelle St. Jean Pied de Port
Citadelle St. Jean Pied de Port


Einige Stunden später gingen wir zur Herberge zurück. Mittlerweile sind auch weitere Pilger eingetroffen. Ein Ehepaar aus Belgien, beide Mitte 50 und ebenfalls mit dem Fahrrad unterwegs. Er sprach etwas deutsch und half uns bei einer Übersetzung ins Französische. Es kamen auch noch drei junge Spanier in unserem Alter, die wir zwar zuerst nicht gesehen haben, aber sehr gut hören konnten.
Unsere Herbergsmutter fand die Iberer auch viel zu laut und wies die Herren mehrmals darauf hin. Am frühen Abend brachen wir dann nochmals auf um etwas zu essen, Wir suchten uns eine nette kleine Pizzeria.Für mich gab es dann eine Pizza “baskische Art”. Diese war in den Farben der baskischen Flagge belegt.
Rot = Chorizo-Wurst
Grün = Paprika
Weiß = baskischer Käse
Nach dem Abendmahl kehrten wir zur Madame Preuhil zurück, die uns auch prompt im Hausflur in Empfang nahm. Wir sollten ihr in die Küche folgen. Da wir so nett sind, schenkte sie uns je eine Dose Cola, die wir auf unserem Zimmer noch tranken. An Schlaf war allerdings noch nicht zu denken, so dass wir noch mal kurz auf den Balkon gingen um die Aussicht in den Abendstunden zu genießen.
Kurz darauf stieß noch eine Pilgerin zu uns. Sie kam aus Kanada, Hypnotiseurin, und ca. Anfang 40. Wir unterhielten uns noch knapp eine Stunde lang sehr nett mit ihr und gingen anschließend schlafen.

Blick über St. Jean Pied de Port
Blick über St. Jean Pied de Port
Nive de Béhérobie
Nive de Béhérobie
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Etappen-Daten:
Tagesstrecke: 60,50 Kilometer
Fahrzeit: 3:39:03
Schnitt: 16,50 Kilometer
Max.: 48,00 km/h
Höhenmeter: 403
Steigung Schnitt: 2%
Steigung max.: 15%

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