Es geht los!
Peter und ich treffen und um 07:15 Uhr am Köln-Bonner Flughafen “Konrad Adenauer”. Die Fahrräder sind in ihren speziellen Reisetaschen gut verpackt, die restlichen Sachen in den Fahrrad-Packtaschen verstaut.
Meine Fotoausrüstung kann ich zusätzlich zum Handgepäck mit in die Kabine nehmen. Das beruhigt mich.
Nachdem wir am Schalter eingecheckt und die Packtaschen abgegeben haben, müssen wir noch zum Schalter für Sperrgepäck, um die Fahrräder abzugeben. Der Herr am Schalter macht einen müden, irgendwie lustlosen Eindruck. Er bequemt sich nur schwerfällig aus seinem Stuhl um unsere Räder entgegen zu nehmen.
Nachdem das erledigt ist, haben wir noch jede Menge Zeit bis zum Abflug.
Wir verabschieden uns von meinem Vater, der mich zum Flughafen brachte und suchen zusammen mit Peters Freundin Steffi nach einer Möglichkeit gemütlich zusammen zu sitzen und etwas zu trinken. Im Mittelteil des Flughafens wurden wir fündig. Wir quatschten noch eine Weile und labten uns den völlig überteuerten Getränken.
Irgendwann wurde es Zeit sich von Steffi zu verabschieden und zur Sicherheitskontrolle und zum Gate zu gehen.

Wir setzten uns am Gate auf eine Bank und relaxten noch etwas. Ich stüberte ein enig in meinem kleinen Spanisch-Sprachführer und erzählte Peter von einigen lustigen Übersetzungen darin, die wir auf jeden Fall brauchen werden. Außerdem beobachteten wir noch die Leute, die um uns herum saßen.
Uns gegenüber saß ein älteres Ehepaar. Der Mann, anscheinend Vielflieger, machte sich über alle Leute lustig, die sich schon am Gate anstellten, um auch ja als Erste im Flugzeug zu sein.
Nachdem dann das Gate öffnete und etwas weniger los war, stellten auch wir uns an und konnten zügig das Flugzeug betreten.
Kurz nach dem Start stellten wir fest, dass der halbe Flieger mit Zahnärzten besetzt war, die zu irgendeiner Werksbesichtigung nach Bordeaux wollten.
Die überwiegend aus dem Rheinland und Ruhrgebiet stammenden Ärzte, Ärztinnen und deren Anhängsel unterhielten das ganze Flugzeug. Zumindest den hinteren Teil, wo auch wir saßen. Also war an ein wenig Schlaf nicht zu denken.
Nach nicht ganz zwei Stunden Flug befanden wir uns im Landeanflug auf Bordeaux. Der Flughafen liegt in Mérignan, im Westen der Stadt, so dass wir im Anflug, bei schönstem Sommerwetter, einen bombastischen Blick auf die Innenstadt hatten.

Am Flughafen sollte der Jakobsweg dann endlich beginnen. Gut ein Jahr hatten wir uns nun schon darauf vorbereitet. In Hape Kerkelings Buch “Ich bin dann mal weg” konnte man von einer Menge seltsamer Gestalten lesen, die er auf dem Weg kennengelernt hat. Auch in dem Buch “Zwei Esel auf dem Jakobsweg” von Tim Moore konnte man von solchen Begegnungen lesen.
Aber warum mussten wir direkt an der Gepäckabfertigung schon der ersten “komischen” Person begegnen?
Peter ging zum Band auf der unser Gepäck ankam und ich wartete am Band für Sperrgepäck auf unsere Fahrräder. Als die ersten Sperrgüter herauskamen, war ich der Einzige, der sich darum kümmerte. Um einen Stau zu vermeiden, nahm ich die Pakete vom Band und sortierte sie auf dem Boden. Eine ältere Dame, die auch schon in unserem Flugzeug saß, kam auf mich zu und frug, ob ich ihr Fahrrad gesehen hätte. Sie beschrieb mir den Karton und ich sagte ihr, dass bisher nur die Räder raus gekommen sind, die hier schon liegen.
Ihr Fahrrad wird wahrscheinlich noch in der Abfertigungshalle sein, wo auch unsere Räder waren. Weiterhin fragte sie mich auch, ob ich Werkzeug dabei hätte und ich ihr Fahrrad zusammenbauen könnte.
Natürlich hatte ich Werkzeug dabei, da wir ja unsere Räder auch zusammen bauen müssen. Ich verabredete mit ihr, dass wir in der Vorhalle zu finden seien und sie auch dort hinkommen soll. Dort würde ich dann auch noch schnell ihr Rad zusammenbauen.
Peter kam mittlerweile auch mit unserem Gepäck dazu und kurz darauf erschienen auch unsere Räder auf dem Band. Hoffentlich haben sie den Flug gut überstanden.

Kathedrale St. André in Bordeaux
Kathedrale St. André in Bordeaux

In der Vorhalle begannen wir dann mit dem Auspacken und dem Zusammenbau der Räder. Es hat alles den Flug gut überstanden und es ging fix voran. Die ältere Dame erschien nicht.
Aber mittlerweile hatten wir einen Zuschauer. Ein älterer Herr aus San Diego, Kalifornien, wie sich herausstellte.
Er frug uns von wo wir kommen und ob wir die Tour de France fahren wollen. Wir erklärten ihm, dass wir den Jakobsweg machen und einmal quer durch Spanien fahren wollen. Den Weg kannte er nicht und frug uns noch einige Dinge darüber bevor er dann wieder verschwand.
Jetzt kam dann auch die ältere Dame, völlig aufgelöst und einem Weinkrampf nahe. Sie habe uns schon auf dem ganzen Gelände gesucht, außerdem bekäme sie keine Luft in den vorderen Reifen.
Wir beruhigten Sie erstmal und ich schaute mir das Problem an.Es fehlte das Schrader-Ventil. Zum Glück hatte sie einen Ersatzschlauch dabei und ich konnte dort das Ventil abschrauben und es auf ihren Vorderreifen setzen. Schnell wurde noch der Lenker richtig eingestellt und wir konnten uns wieder auf unsere Räder konzentrieren.
Als diese fertig zusammengebaut waren, brachten wir die Packtaschenan, doch irgendetwas stimmte nicht.
Es fehlte eine Tasche! Meine waren alle da, aber Peter hatte eine seiner Taschen auf dem Band vergessen. Er eilte noch mal zurück in die Gepäckhalle, wo seine Tasche zum Glück noch war und gemütlich Karussell fuhr.
Den Schrecken kurz verdaut, schoben wir unsere Räder endlich aus dem Flughafengebäude raus. Dort stand auch die ältere Dame mit ein paar anderen Leuten. Sie war schon wieder wild gestikulierend und einem Heulkrampf nahe. Da sie uns nicht sah, starteten wir schnell und fuhren los.

Wir mussten vom Flughafen in die Innenstadt zum Bahnhof fahren. Der richtige Weg war relativ einfach zu finden und so trafen wir zeitig am Bahnhof ein. Das Wetter war herrlich. Die Temperaturen lagen um die 30° Celsius.
Im Bahnhof besorgte Peter dann erstmal was zu Essen, während ich auf unsere Räder und das Gepäck aufpasste. Nach einer kurzen Rast gingen wir dann Richtung Gleis, wo wir einen netten Bahnhofsvortshere auf Englisch nach dem richtigen Zugteil fragten. Unser Zug bestand nämlich aus zwei zusammengekoppelten Zügen, die in Dax getrennt wurden.
Der Zug war völlig überfüllt und das angeblich vorhandene Gepäckabteil konnte ich in der Hektik auch nicht finden, so dass wir unsere Räder erstmal mitten in einem Zugang parkten. Wir blieben auch im Gang stehen. Der Zug fuhr gerade los, als der Schaffner direkt auf uns zu kam und uns auf französisch wohl zu verstehen geben wollte, dass wir die Räder nicht im Gang parken können.Wir verständigten uns daraufhin mit Händen und Füßen, sowie mit Peters Französisch Kenntnissen. Am nächsten Bahnhof sollen wir mit den Rädern aussteigen und schnell zum Gepäckabteil am anderen Ende des Zuges rennen. Dort wurden die Räder dann vom Schaffner und einem Gehilfen entgegen genommen und sicher verstaut.
Der Rest der Zugfahrt war anstrengend. Es war sehr laut, super warm und es stank fürchterlich nach den verschiedensten Körpergerüchen.
Nach zwei Stunden hatten wir aber auch die Zugfahrt hinter uns gebracht und waren endlich in Bayonne, im französischen Baskenland, angekommen. Wir packten wieder schnell die Taschen auf die Räder und fuhren erstmal zu unserem, im Voraus gebuchten, Motel. Das Motel lag im Gewerbegebiet im östlichen Teil der Stadt und bot gerade so ausreichend Platz für uns, unser Gepäck und die Räder.
Nach einem kurzen frisch machen, starteten wir zu Fuß zur Stadterkundung.

Die Innenstadt von Bayonne
Die Innenstadt von Bayonne

In der Innenstadt waren sämtliche Gassen mit baskischen Fähnchen dekoriert. Es gab sogar ein Geschäft in welchem man lauter baskische “Fanartikel” kaufen konnte. Diese Tatsache wurde auch sehr laut mit baskischer Musik beworben.
Wir suchten uns direkt an der Nive ein nettes, kleines Restaurant und bestellten dort unser erstes Drei-Gänge-Menü auf dieser Reise. Später sollten noch einige als “Pilger-Menü” folgen.
Ich bestellte für insgesamt 13,- Euro eine baskische Leberpastete als Vorspeise, flambiertes Rinderherz in Rioja-Sauce an Kartoffelecken als Hauptgericht und zum Dessert einen baskischen Mandelkuchen.
Das Essen war sehr gut und zu dem Preis ein richtiges Schnäppchen.
Als wir später zum Motel zurückkehrten, widmete ich mich nochmal Peters Rad. Beim Zusammenbau hatte ich eine Bremsleitung falsch verlegt, so dass Peter nicht richtig lenken konnte. Aber das Problem war schnell behoben.
Gegen 22:00 Uhr gingen wir schlafen, da es am nächsten Morgen schon gegen 06:00 Uhr weiter gehen sollte.

Häuserzeile an der Nive in Bayonne
Häuserzeile an der Nive in Bayonne
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Etappen-Daten:
Flug Köln – Bordeaux ca, 1.073 km
Zugfahrt Bordeaux – Bayonne ca 191 km
Radfahrt 18,08 km
– Fahrzeit: 1:09:27
– Schnitt: 15,60 km/h
– Max.: 27,50 km/h
– Höhenmeter: 33
– Steigung Schnitt: 2%
– Steigung max.: 4%

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